Thoughts on: Zusammenhalt unter Frauen
Wenn ich ehrlich bin, hätte ich mich früher nie als „Girls Girl“ bezeichnet. Und lange Zeit hätte ich wahrscheinlich nicht einmal verstanden, was genau damit eigentlich gemeint ist.
Der Grund dafür liegt vor allem in meinen Erfahrungen mit gleichgeschlechtlichen Freundschaften, die für mich über viele Jahre hinweg mit einem Gefühl verbunden waren, das sich nie wirklich stimmig angefühlt hat.
In der Grundschule hatte ich durchaus sehr schöne Mädchenfreundschaften. Mit dem Wechsel aufs Gymnasium hat sich das jedoch verändert.
Zum einen sind meine damaligen Freundinnen alle auf unterschiedliche weiterführende Schulen gegangen. Dadurch bin ich in ein komplett neues Umfeld gekommen, in dem sich soziale Strukturen neu gebildet haben und ich mich zunächst zurechtfinden musste.
Zum anderen gab es in dieser Zeit eine Erfahrung, ungefähr in der 5. oder 6. Klasse, in der ich aus einer sich bildenden Mädelsgruppe aktiv ausgeschlossen wurde. In dieser Zeit habe ich Situationen erlebt, die man sicherlich als Mobbing beschreiben würde, ohne dass ich es damals hätte einordnen können.
Ich glaube, dass sich an diesem Punkt mein Bild von Mädchen- bzw. Frauenfreundschaften grundlegend verändert hat. Es ist das Gefühl entstanden, das sich Dynamiken entwickeln können, die für mich schwer greifbar sind und diese Art von Gruppendynamik für mich weder verlässlich noch der richtige Raum ist.
Deshalb hatte ich während der Schulzeit eher wenige Freundschaften, in denen ich wirklich zu 100% Vertrauen gespürt habe. Hinzu kam, dass ich Frauen oft aus einem eher intuitiven Bauchgefühl heraus skeptisch gegenüberstand, ohne das damals richtig einordnen zu können.
Die eigentliche Veränderung kam dann im Studium. Dort habe ich vier Mädels kennengelernt, die mein Verständnis von Freundschaft unter Frauen grundlegend verändert haben.
Wir sind fünf sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, mit unterschiedlichen Lebensrealitäten, unterschiedlichen Perspektiven und auch unterschiedlichen Arten, mit Herausforderungen umzugehen. Und trotzdem hat sich über die Jahre eine Form von Verbindung entwickelt, die ich so zuvor nicht kannte.
Wir sind gemeinsam durch eine Studienzeit gegangen, die von Unsicherheit, Leistungsdruck und wiederkehrenden Selbstzweifeln geprägt war. Und in dieser Zeit hat sich für mich zum ersten Mal gezeigt, was es bedeutet, Teil einer verlässlichen Gruppe und einer Freundschaft mit tiefer Verbundenheit zu sein. Mit Frauen, die deine Stärken sehen und dir spiegeln, wenn du es selbst in dem Moment nicht kannst und deine Erfolge feiern als wären es die eigenen.
Diese Erfahrung hat mein Verständnis von Zusammenhalt unter Frauen grundlegend geändert und meine eigene Definition von „Girls Girl“ geprägt.
Ich merke zum Beispiel, dass ich durch meine eigenen Erfahrungen sehr bewusst darauf achte, für andere Frauen einen Raum zu schaffen, in dem sie sich sicher fühlen können. Vielleicht auch, weil ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn das nicht selbstverständlich ist. Frauen mit Wohlwollen statt mit Skepsis zu begegnen bedeutet für mich darüber hinaus, Erfolg nicht sofort in Konkurrenz zu übersetzen, nur weil man es in bestimmten Situationen anders kennengelernt hat.
Diese Perspektive ist für mich das Ergebnis eines längeren Prozesses, in dem sich meine Erfahrungen (zum Glück!) neu sortiert haben.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich diesen Text heute schreibe. Weil ich mittlerweile nicht nur verstanden habe, wie sehr sich meine Sicht und mein Empfinden verändert haben, sondern weil ich beides auch aktiv weitergeben möchte in dem, was wir mit MIND HER BUSINESS aufbauen:
Einen Ort, an dem Frauen sich gegenseitig an ihr Potenzial erinnern, sich ehrlich füreinander freuen und Erfolge nicht als Bedrohung, sondern als Inspiration sehen. Ein Miteinander statt Gegeneinander.
Denn ich glaube, dass wir viel mehr erreichen können, wenn wir aufhören zu vergleichen und anfangen, uns gegenseitig zu bestärken.
Eure
Daina

